Legionellen und Keime - die unsichtbare Gefahr



Die Trinkwasserverordnung fordert zum Schutz der Verbraucher eine regelmäßige Untersuchung der Wasserinstallation – denn wo der Grenzwert für Legionellen nicht überschritten wird, kann es erst gar nicht zu Erkrankungen kommen. Bei leichten Überschreitungen des Grenzwerts steigt das Infektionsrisikio für Personen die anfällig für Krankheiten sind – Kinder, ältere Menschen, Raucher und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Schluckstörungen; stark erhöhte Legionellenkonzentrationen stellen auch für gesunde Menschen ein Risiko dar. Für das Jahr 2011 wurden beim RKI insgesamt 639 Erkrankungen gemeldet. Im Jahr 2013 belief sich die Zahl auf 922 Fällen. Gegenüber dem Vorjahr (654 Fälle) kam es zu einem deutlichen Anstieg der registrierten Fallzahlen, was zu einem großen Teil auf ein Ausbruchsgeschehen mit insgesamt 159 Fällen im August 2013 im Raum Warstein/Nordrhein-Westfalen (NRW) zurückzuführen war.

 

Allerdings schätzt das Kompetenznetzwerk für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNETZ,) dass in Deutschland insgesamt fast 4 Prozent aller ambulant auftretenden Lungenentzündungen durch Legionellen hervorgerufen werden. Das bedeutet, dass statt der jährlich rund 600 gemeldeten Fälle der „Legionärskrankheit“, womöglich 15.000 bis 30.000 Erkrankungen auftreten. Geht man von der Sterblichkeitsrate von 5 Prozent aus, liegt die Zahl der durch Legionellen verursachten Todesfälle zwischen 750 und 1500!

 

BIS ZU 30.000 ERKRANKUNGEN JÄHRLICH

Legionellen sind Bakterien, die fast überall im Wasser vorkommen – auch in unserem Trinkwasser. Solange sie nur vereinzelt auftreten, sind sie vollkommen harmlos. Bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45°C finden Legionellen jedoch optimale Bedingungen für ihre Vermehrung und werden mit steigender Anzahl im Wasser eine ernste Gefahr für die Gesundheit. Die Übertragung der Bakterien findet durch sogenannte „Aerosole“ statt, Aerosole sind kleinste, zerstäubte Wasser Tröpfchen, wie sie z.B. beim Duschen entstehen, wenn man also den beim Duschen entstehenden Wasserdampf einatmet und dieser mit Legionellen kontaminiert ist, findet eine Ansteckung statt und man kann sich mit einer gefährlichen Lungenerkrankung infizieren. Die Infektion kann ebenso über Klimaanlagen erfolgen.

 

Die Krankheit wurde erst 1977 entdeckt. Im Sommer 1976 waren bei einem Kongress ehemaliger US-amerikanischer Kriegsveteranen 180 von 4.400 Delegierten an einer Lungenentzündung erkrankt. Nachdem 29 Patienten gestorben waren, starteten Forscher die fieberhafte Suche nach dem Auslöser der Epidemie. Als sie aus dem Lungengewebe eines verstorbenen Veteranen das stäbchenförmige Bakterium isolierten, tauften sie die von ihm hervorgerufene Krankheit Legionellose oder Legionärskrankheit.

 

Die Legionärskrankheit ist zwar heilbar – aber nur wenn sie auch als solche erkannt wird. Wird sie nicht rechtzeitig gezielt behandelt, kann sie tödlich enden. Nach einer Statistik des Robert Koch Instituts (RKI) nahmen im Jahr 2011 knapp 5 Prozent der Krankheitsfälle diesen tragischen Verlauf.

 

Infektionsrisiko minimieren

Jeder Betreiber einer Wasserführenden Installation kann Maßnahmen ergreifen, um die Zahl der Legionellen möglichst gering zu halten. In modernen, gut gewarteten Leitungssystemen finden die Erreger nur schwer einen Nährboden. Außerdem sollte die Temperatur am Warmwasserbereiter auf 60°C eingestellt sein und im gesamten Leitungssystem 55°C nicht unterschreiten – denn bei hohen Temperaturen stagniert das Legionellenwachstum, ab 60°C sterben die Bakterien sogar ab.

 

Als Verbraucher sollte man darauf achten, alle Leitungen in der Wohnung bzw. im Haus regelmäßig zu spülen. Die Zapfstellen, in selten genutzten Gästebädern oder den bis auf wenige Sommertage ungenutzte Anschluss im Garten, sind ideale Brutstätten für Legionellen. Wer diese Zapfstellen regelmäßig aufdreht und die Leitungen gründlich durchspült, beugt der Vermehrung der Bakterien wirksam vor. Das sollte man übrigens auch tun, wenn man nach mehrwöchiger Abwesenheit wieder in die eigene Wohnung zurückkommt…

 

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